Im Laufschritt über Stock und Stein ohne Augenlicht - Marlies Mühlberger gewährt Sportmittelschülern einen Einblick in ihr Leben

Eine persönliche Begegnung mit Menschen im Unterricht  ist allemal beeindruckender und lebendiger als Arbeitsblätter, Bücher und Filme. Das erlebten die Schülerinnen und Schüler der 9. Klassen im Religions- und Ethikunterricht beim Besuch von Frau Maria Elisabeth Petri aus Breitenberg. Im Alter von gerade 20 Jahren ist Marlies, so wird sie in Breitenberg genannt, vollständig erblindet. Wie sie diese Herausforderung gemeistert hat, davon erzählte sie den  interessierten Jugendlichen sehr anschaulich und berührend.

Das Leben eines Menschen kann sich von einem Moment auf den anderen komplett verändern. Auch Marlies hat diese bittere Erfahrung in ihrem Leben machen müssen. Die Kindheit war unbeschwert, die Schule schloss sie mit der Mittleren Reife erfolgreich ab und begann anschließend eine Ausbildung zur Physiotherapeutin. Doch dann führte im Alter von 20 Jahren eine Erkrankung zur vollständigen Blindheit. Wie wird es jetzt weitergehen? Diese Frage und die


ungewisse Zukunft beschäftigte und belastete sie damals sehr. Natürlich gab es jetzt viele Frustrationen, die ausgehalten werden mussten. Hinter ihr standen von Anfang an ihre Familie und Freunde, die sie nicht bemitleideten sondern ermutigten, die neuen Herausforderungen zu meistern. Marlies absolvierte eine Internatsschule für Blinde in Veitshöchheim. Hier lernte sie die Blindenschrift und den Umgang mit Hilfsgeräten, die ihr helfen, den Alltag eigenständig zu bewältigen. Anschließend schloss sie ihre Berufsausbildung zur Physiotherapeutin erfolgreich ab. Inzwischen ist Marlies verheiratet und arbeitet in einer Praxis in Breitenberg. Ordnung und Struktur ist für sie am Arbeitsplatz und daheim unverzichtbar. Nur so kann sie sich orientieren und selbständig im Alltag zurechtfinden. „Es dauert halt alles länger, aber ich schaffe den Haushalt alleine“, so die Breitenbergerin. Ein unverzichtbarer und treuer Begleiter im Alltag ist für sie ihr Blindenhund Flora, der fast unglaubliche Fähigkeiten besitzt. Die Jugendlichen sind fasziniert von diesem intelligenten Tier. Ein Leben ohne ihn kann sich Marlies schwer vorstellen. Als ihre Hobbys nennt sie Musik, Lesen und Sport. Laufen über Stock und Stein im Klosterwald im Mühlviertel, das macht ihr große Freude. Drei- bis viermal ist sie jede Woche, bei Wind und jedem Wetter, mit ihren Begleiterinnen dort unterwegs. Zusammen haben sie auch schon einen Halbmarathon absolviert. Zum Schluss dieser außergewöhnlichen Unterrichtsstunden beantwortet Marlies noch einige Schülerfragen. Sie appellierte dabei an die Jugendlichen, blinden Menschen Hilfe anzubieten, wenn sie ihnen begegnen, aber sie nicht zu bevormunden. „Blinde Menschen sind ganz normale Menschen. Benehmt euch ihnen gegenüber bitte auch einfach so!“           

 

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Marlies Mühlberger inmitten der Klasse 9a mit Lehrerin Vera Hein und Hans Simmerl