Fortbildung Holocaust

Nazi-Massenmorde in Mainkofen – Lehrerfortbildung in der Sportmittelschule

 

 

Im Rahmen einer schulinternen Lehrerfortbildung referierte Gerhard Schneider, Direktor des Bezirksklinikums Mainkofen, über das wohl traurigste Kapitel in der Geschichte dieser Krankenanstalt.  Es begann im Jahre 1934, also kurz nach der Machergreifung der Nazis, mit der Zwangssterilisierung von psychisch kranken und behinderten Menschen. Über 500 Jugendliche, der jüngste war gerade 15 Jahre alt, und Erwachsene wurden in Mainkofen der „Unfruchtbarmachung“, wie es im NS-Jargon hieß, übergeben. Mit Kriegsbeginn 1939 verschärfte sich die Situation behinderter und arbeitsunfähiger Menschen weiter.  Fortan an galten sie als „unnütze Esser“ und als „lebensunwerte Ballastexistenzen“. Laut Aktenlage wurden 606 Frauen und Männer in fünf Transporten per Bahn nach Hartheim bei Eferding verladen, wo sie in einer Gaskammer getötet wurden. Nach Protesten der Kirchen wurde diese Tötungsaktion 1941 eingestellt. Jetzt wurden diese armen und hilflosen Menschen in Mainkofen selbst getötet, vor allem durch die Verabreichung einer fettlosen „Hungerkost“. Weit über 700 Menschen wurden auf diese Weise ermordet, unter ihnen auch viele Kinder. Gerhard Schneider erwähnte in diesem Zusammenhang auch, dass die Ärzte und Pflegekräfte, die das anordneten und durchführten, nie bestraft wurden und nach dem Krieg als „NS-Mitläufer“ eingestuft wurden, weiter arbeiten konnten und später Beamtenpensionen genießen konnten. Schulleiter Hans Simmerl dankte Gerhard Schneider für seinen ungemein interessanten und berührenden Vortrag und die wertvolle  Aufarbeitung der NS-Zeit in Mainkofen, die er in den vergangenen Jahrzehnten geleistet habe. „Mit der Errichtung der Gedenkstätte beim Klinikum haben Sie den hier von den Nazis ermordeten Menschen ein würdiges Gedenken verschafft“, so Simmerl.  Er wünsche sich, dass alle Schüler der Sportmittelschule im Rahmen des Geschichts- und Religionsunterrichts  einmal die Gedenkstätte in Mainkofen besuchen, sich darüber informieren, was hier in der NS-Zeit geschehen ist und darüber nachdenken, wie das möglich war.