Sportmittelschüler erleben die Welt von alten und kranken Menschen

Wie geht es einem  Menschen der an Demenz erkrankt ist, der an Parkinson leidet  oder der allmählich sein Augenlicht verliert? Was erlebt er?  Wie fühlt er sich dabei? Mit diesen Fragen beschäftigen sich junge Leute eher selten, denn diese Probleme sind von den meisten weit entfernt. Anders ist das bei den Schülerinnen und Schülern der 10. Klasse der Sportmittelschule, die den berufsorientierenden Zweig Soziales gewählt haben. „Soziales Verhalten in Betreuungssituationen“ wird hier von den Fachlehrerinnen Martina Gastinger und Karin Blößl gelehrt und auch in der Praxis erprobt. Gerne nahmen die beiden Lehrkräfte deshalb das Angebot der Berufsfachschule für Pflege der Berufsakademie Passau  BAP an, in ihren Räumen einen Demenzparcours zu absolvieren. Dieser wurde von der stellvertretenden Schulleiterin Ursula Schenk und der Pflegelehrerin Vera Fitzner für ihre Schüler entwickelt.  An sechs Stationen konnten so 30 Sportmittelschülerinnen und -schüler am eigenen Leib erleben, wie sich körperliche und geistige Erkrankungen auf die Bewältigung von Alltagssituationen auswirken. Wissen über die Erkrankung wurde im Parcours durch eigene Erfahrung vermittelt.  Grenzen und Gefühle die Erkrankte täglich erleben, wurden so selbst erfahrbar. Für die Jugendlichen eröffnete sich damit ein neuer und erhellender Blick auf die Situation eines dementen und körperlich beeinträchtigten Menschen. An einer Station konnten die Schülerinnen und Schüler in sogenannte „Tremor-Handschuhe“ schlüpfen, die ein starkes Zittern simulieren. „Ich konnte die Kaffeetasse kaum halten und habe viel verschüttet, als ich die Tasse zum Mund führen wollte“, meinte eine sichtlich schockierte Schülerin. Die Station „Koffer packen“ vermittelte ihnen, wie es ist, wenn die Sprache sich verändert und Worte verloren gehen. Sie erlebten, wie schwer es ist, sich bei sehr komplexen Aufgaben zu konzentrieren und Neues zu lernen. Mittels einer Simulationsbrille für Seherkrankungen wurden an einer weiteren Station, Alltagshandlungen, wie Schuhe binden oder Flüssigkeiten umfüllen, zu schwer zu bewältigenden und frustrierenden Herausforderungen. Ein Theorieteil von Pflegepädagogin Annabell Gsödl über die Demenz rundete den äußerst interessanten und informativen Schultag ab. Alle waren sich einig, dass es eine großartige Erfahrung war, einmal in die Welt eines Menschen mit Handicap einzutauchen und seine Rolle zu spielen. So wurde ein tieferes Verständnis für die schwierige und belastende Situation von erkrankten Menschen angebahnt.