In den Tagen der Menschenjagd – Sportmittelschüler treffen die Zeitzeugin Anna Hackl-Langthaler in Mauthausen

Es war den 40 Schülerinnen und Schülern der beiden M 8 Klassen der Sportmittelschule bewusst, dass die Studienfahrt nach Mauthausen kein üblicher Schulausflug werden würde.   Denn die Führung in der  KZ Gedenkstätte, das Zeitzeugengespräch mit Anna Hackl-Langthaler über die „Mühlviertler Hasenjagd“ und ein kurzer Besuch bei der Heimfahrt in der Gedenkstätte Schloss Hartheim, wo 30 000 behinderte Menschen ermordet wurden,  würde ihnen eindrucksvoll vor Augen führen,  zu was Menschen fähig sind, im Guten, wie im Schlechten. Fassungslos standen die Jugendlichen vor der Todesstiege in Mauthausen und hörten, wie hier Tausende  Menschen gequält und umgebracht wurden. Bei der Führung durch das ehemalige Lager stießen sie im Verzeichnis der Ermordeten auch auf einen Hauzenberger:


Ludwig Zieringer. Er kam im Jahre 1939 hier zu Tode. Ein besonderes Augenmerk legte man bei der Führung auf die Situation der russischen Kriegsgefangenen. Die Schülerinnen und Schüler besuchten den Ort, wo einst ihre Baracken standen und hörten, wie sehr gerade sie gefoltert und auf grausamste Weise zu Tode gemartert wurden. „Ihre Überlebenschancen waren gleich 0“, berichtete der Führer. So ist es verständlich, dass die abgemagerten und geschundenen Todeskandidaten in ihrer Not und Verzweiflung am 2. Februar 1945 den Ausbruch wagten. Für fast alle 500 Häftlinge sollte er den Tod bringen. Was sich hier genau abspielte, das erfuhren die Jugendlichen am Nachmittag in einem Gespräch mit  einer der wohl letzten noch lebenden Zeitzeuginnen der „Mühlviertler Hasenjagd“,  der heute 90jährigen Anna Hackl-Langthaler. In 1 ½  Stunden erzählte sie ihre berührende Geschichte, die begann als ein Häftling an der Türe klopfte und um Essen bat. Die tiefreligiöse Mutter, Maria Langthaler, hatte schon vorher entschieden: “Wenn zu uns einer kommt – wir helfen“, erzählt Anna Hackl. Und das in einer Zeit, wo die SS forderte, dass alle Häftlinge sofort getötet werden müssen und wer ihnen hilft, selber sterben muss. Die Familie riskierte trotzdem ihr Leben, um die beiden fremden Menschen zu retten. Anna Hackl berichtet von den gefährlichsten Erlebnissen ihres Lebens. Das damals 13-jährige Mädchen musste einmal heimlaufen und die beiden Häftlinge warnen, dass eine SS-Staffel mit Hunden im Anmarsch sei und bald ins Haus kommen wird. Tief unterm Heu versteckten sie dann die Beiden. Die Familie stand Todesangst aus, bis der Suchtrupp vom Heuboden herunterkam. Wie durch ein Wunder, nahmen die Hunde keine Witterung auf. Drei Monate bis zur Befreiung blieben die beiden Russen im Haus und wurden nicht entdeckt.  Später gingen sie zurück in die Ukraine. Es sollte 19 Jahre dauern, bis durch einen Zufall wieder ein Kontakt zustande kam und Maria Langthaler endlich für ihr heldenhaftes Verhalten gebührend geehrt wurde. Während vier ihrer Söhne im Krieg in Rußland kämpften, versteckte sie zwei russische Soldaten im Haus und rettete ihnen so das Leben. Maria Langthaler wurde nach Rußland eingeladen und erhielt dafür zahlreiche Ehrungen. Erst vor einigen Monaten wurde ihr posthum noch von Staatschef Putin der „Russische Tapferkeitsorden“ verliehen, berichtete Anna Hackl. Sie nahm diesen für ihre Mutter in Empfang. Anna Hackl beeindruckte mit ihren Erzählungen alle. Diese Frau werden die Jugendlichen so schnell nicht vergessen. Was können sie aus dieser Begegnung  mitnehmen? „Ihr sollt wissen, was das für eine Zeit war, damit so etwas nicht mehr kommt. Passt auf unser schönes Land auf!“, gibt sie den Sportmittelschülerinnen und – schülern mit auf den Heimweg.    

Bild 2: Chiara Grieger und Hannah Fesl bedanken sich bei Anna Hackl  mit einem Geschenk.

Bild 1: Gruppenbild rechts Lin Monika Berger und dahinter Lin Susanne Berger