Bewegende Zeitdokumente – Feldpostkarten aus dem 1. Weltkrieg im Geschichtsunterricht

 

 

Lange und spannende Geschichten erzählen die beiden Fotoalben der Familie Anetzberger aus Glotzing bei Hauzenberg. Fast 600 eindrucksvolle Bildpostkarten, sorgsam geordnet und gepflegt, sind in diesem wohl einmaligen Familienarchiv enthalten. Die Karten wurden während des 1. Weltkrieges von den Bauernsöhnen Josef und Johann Eichinger von der Front und ihren Lieben daheim geschrieben. Marielle Anetzberger (Foto) hat diesen historisch wertvollen Familienschatz jetzt der Sportmittelschule für den Geschichtsunterricht zur Verfügung gestellt. In der Ausstellung „Des Kriegers Lohn“ – Feldpostkarten aus dem 1. Weltkrieg“ ist eine Auswahl von aussagestarken Bildmotiven zu sehen. Allein die Anzahl der vorliegenden Karten zeigt schon, welchen Wert diese für die Menschen in der Kriegszeit gehabt haben müssen. „Fern der Heimat“, wie Josef Eichinger oft schrieb, waren Feldpostkarten die einzige Möglichkeit, um mit seinen Eltern, Geschwistern und Freunden in Kontakt zu bleiben. Daheim wurden die Karten sehnsüchtig erwartet, denn jede Karte war ein neues Lebenszeichen vom Sohn und sie hielt die Hoffnung wach, auf ein gesundes Wiedersehen in der Heimat. Aber auch für die beiden Frontsoldaten hatten die Karten von den vertrauten Menschen daheim einen kaum zu überschätzenden Wert. Ihre Zeilen ließen sie teilhaben am Leben im Haus und im Dorf, und sie linderten wohl auch ihr immer wieder spürbares Heimweh.

Wegen der großen Verbreitung der Feldpostkarten, über 28 Milliarden Karten und Briefe wurden zwischen 1914 und 1918 geschrieben, waren Feldpostkarten auch ein willkommenes Propagandamittel für die Heeresleitungen. In der Ausstellung sind widerliche Beispiele dafür zu sehen. „Deutschland, Deutschland über alles in der Welt“, „Gott strafe England“ und „Jetzt wollen wir sie aber dreschen“ steht auf den Karten zu lesen. Gemeint sind die Männer in den englischen und französischen Uniformen. In Karikaturen werden sie lächerlich gemacht und verspottet. Dagegen wird der deutsche Frontsoldat, der tapfer und opferbereit seinen Dienst versieht, zum Helden stilisiert. Mit diesen Motiven versuchte man den Durchhaltewillen der Truppen zu stärken und sie bis zum äußersten Einsatz ihres Lebens zu animieren. Selbst der gefallene Soldat wird noch für die Kriegspropaganda missbraucht. Der Kriegstod wird auf den Bildern der Feldpostkarten zum Heldentod. Besonders schockierend ist ein Bildmotiv das einen sterbenden Soldaten zeigt, der vom gekreuzigten Christus für sein Lebensopfer im Krieg, wie ein Held empfangen wird und wohl gleich im Himmelreich dafür belohnt wird. Millionen junger Männer wurden so verführt und verheizt. Josef Eichinger blieb dieses traurige Schicksal glücklicherweise erspart. Er kehrte 1918, körperlich gesund, heim nach Glotzing. Sein Bruder Johann aber fiel am 7. August 1917 durch einen Kopfschuss in Rumänien. Er war laut dem Sterberegister der Pfarrei der 95. Gefallene aus Hauzenberg. Mit den erhalten gebliebenen Feldpostkarten haben uns die beiden jungen Frontsoldaten und ihre Familienangehörigen ein lebendiges und wertvolles Geschichtsdokument hinterlassen. Ihr Nachlass in der Ausstellung bietet jetzt den Schülerinnen und Schülern der Sportmittelschule die Möglichkeit, an Vergangenem teilzuhaben, es zu reflektieren und zu verstehen, was vor 100 Jahren im 1. Weltkrieg geschah. Und sie haben auch die Chance daraus zu lernen, für eine