Unterwegs als Grenzgänger im Böhmerwald

Zu einer grenzenlosen waldgeschichtlichen Wanderung im Rahmen ihres gemeinsamen EUREGIO-Projektes trafen sich zwei Schulklassen aus der Sportmittelschule Hauzenberg und der Partnerschule Krumau in Finsterau. Begleitet und geführt wurden sie auf ihrer Tour von drei kompetenten Waldführern vom Nationalpark Bayerischer Wald. Auf einem Forstweg und gut befestigten Steigen folgten die Gruppen zunächst dem Reschbach zur Alten Klause und weiter zur idyllisch gelegenen Reschbachklause. Die bereits 1860 erbaute Klause diente lange Zeit zur Holzdrift in den Finsterauer Bächen. Nach der Überquerung der Staumauer ging es bergauf zur deutsch-tschechischen Grenze. Von hier sind es nur noch 2 km zur Quelle der Moldau. Von ihren Führern erfuhren die Schüler auch, dass hier die Wasserscheide liegt zwischen Nordsee und Schwarzem Meer. Für sie hieß es aber jetzt dem Pfad steil bergauf zu folgen, entlang der böhmischen Grenze, zum Gipfel des Siebensteinkopfs, der auf 1263 m liegt. Bei gutem Wetter bietet sich von hier eine grandiose Aussicht in den Nationalpark Sumava, hinüber zum Lusen und sogar bis zu den Alpen. Siebensteinkopf heißt der Berg, weil unterhalb des Gipfels sieben verstreute Felsen zu sehen sind, berichtete Waldführer Hans Maier. Auch beim Abstieg über den Felsensteig nach Bucina konnten die Schüler wieder die beeindruckende Waldwildnis entdecken und das Motto des Nationalparks „Natur, Natur sein lassen“ hautnah erleben. In Bucina erwartete sie eine anschauliche und lebendige Lektion in der neueren deutschen und tschechischen Geschichte. Bis 1945 befand sich hier ein Dorf mit 26 Häusern. Nach dem Krieg wurde die deutsche Bevölkerung vertrieben, das Gebiet wurde zum militärischen Sperrbezirk erklärt, die Häuser verfielen und wurden abgerissen. Erhalten blieb nur das Hotel, das als Kaserne diente und die Kapelle.

1989 fiel der „Eiserne Vorhang“, ein Stück dieser Grenzbefestigung mit Stacheldraht und Absperrungen ist hier aber noch zu sehen und das „Tor zur Freiheit“ öffnete sich auch für die Menschen in Tschechien. Die „Gedenkstätte des Eisernen Vorhangs“ und die Schilderungen der Führer hinterließen bei allen Teilnehmern einen nachhaltigen Eindruck. Vor allem das Schicksal eines jungen tschechischen Grenzsoldaten, der bei einem Fluchtversuch von seinem eigenen Kameraden erschossen wurde, berührte alle. Nach der Grenzöffnung erlebte Bucina einen großen Aufschwung durch Wanderer, die gerne das restaurierte, einladende Hotel aufsuchen. Für die Grenzgänger aus Hauzenberg und Krummau hieß es jetzt aber, sich auf den Rückweg zu machen, durch das Finsterauer Filz, vorbei an Plätzen, wo früher einmal Torf gestochen wurde, zum Ausgangspunkt ihrer vierstündigen waldgeschichtlichen Wanderung zum Parkplatz Wistlberg in Finsterau.